Durchschnittsalter nach Landkreis (Zensus 2022): Jung vs. alt
Deutschland altert — das ist keine neue Erkenntnis, aber die regionalen Unterschiede sind dramatisch. Der bundesweite Durchschnitt liegt laut Zensus 2022 (Stichtag 15.05.2022) bei 44,3 Jahren, doch dahinter verbirgt sich eine enorme Spanne: Universitätsstädte und Großstädte ziehen junge Menschen an und bleiben demografisch jung, während ländliche Kreise vor allem in Ostdeutschland immer älter werden. Für den Immobilienmarkt ist das Durchschnittsalter ein zentraler Indikator: Junge Bevölkerung schafft Nachfrage nach Mietwohnungen und treibt Preise, alternde Bevölkerung führt zu Angebotszuwachs durch Erbschaften und Umzüge in Pflegeheime.
Durchschnittsalter der Bundesländer
Die verwendete amtliche Zensus-Tabelle weist neben dem Bundeswert nur Gemeindewerte aus. Ein amtlicher Landeswert ergibt sich daraus nur für Hamburg (41,8 Jahre) und Berlin (42,4 Jahre), die zugleich Gemeinden sind. Für die übrigen Länder wird kein Wert gezeigt; eine eigene Hochrechnung aus Gemeindewerten erfolgt nicht.
Die 10 jüngsten kreisfreien Städte
Amtliche Kreiswerte sind nur für kreisfreie Städte hinterlegt (Kreis = eine Gemeinde). Für Landkreise liegt in der verwendeten amtlichen Tabelle kein Kreiswert vor; eine eigene Hochrechnung aus Gemeindewerten erfolgt nicht. Unter den jüngsten kreisfreien Städten sind viele Hochschulstandorte. Wo viele Studierende wohnen, sinkt das Durchschnittsalter.
| # | Kreisfreie Stadt | Bundesland | Durchschnittsalter |
|---|---|---|---|
| 1 | Heidelberg | Baden-Württemberg | 39,3 Jahre |
| 2 | Freiburg im Breisgau | Baden-Württemberg | 40,3 Jahre |
| 3 | Darmstadt | Hessen | 40,5 Jahre |
| 4 | Frankfurt am Main | Hessen | 40,5 Jahre |
| 5 | Offenbach am Main | Hessen | 40,6 Jahre |
| 6 | Mainz | Rheinland-Pfalz | 41,1 Jahre |
| 7 | Münster | Nordrhein-Westfalen | 41,2 Jahre |
| 8 | München | Bayern | 41,3 Jahre |
| 9 | Regensburg | Bayern | 41,3 Jahre |
| 10 | Erlangen | Bayern | 41,6 Jahre |
Kreise mit Universitäten oder Fachhochschulen haben strukturell einen Vorteil: Studierende, die typischerweise zwischen 18 und 28 Jahren alt sind, senken das Durchschnittsalter dauerhaft. Hinzu kommt, dass attraktive Wirtschaftsstandorte junge Fachkräfte anziehen und halten.
Die 10 ältesten kreisfreien Städte
8 der 10 ältesten kreisfreien Städte liegen in ostdeutschen Flächenländern (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen).
| # | Kreisfreie Stadt | Bundesland | Durchschnittsalter |
|---|---|---|---|
| 1 | Suhl | Thüringen | 50,9 Jahre |
| 2 | Dessau-Roßlau | Sachsen-Anhalt | 50,1 Jahre |
| 3 | Gera | Thüringen | 48,1 Jahre |
| 4 | Frankfurt (Oder) | Brandenburg | 47,6 Jahre |
| 5 | Brandenburg an der Havel | Brandenburg | 47,4 Jahre |
| 6 | Baden-Baden | Baden-Württemberg | 47,1 Jahre |
| 7 | Cottbus | Brandenburg | 46,7 Jahre |
| 8 | Chemnitz | Sachsen | 46,6 Jahre |
| 9 | Schwerin | Mecklenburg-Vorpommern | 46,5 Jahre |
| 10 | Pirmasens | Rheinland-Pfalz | 46,0 Jahre |
Der höchste Wert unter den kreisfreien Städten liegt bei 50,9 Jahren (Suhl), der Bundesschnitt bei 44,3 Jahren.
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Zensus 2022 (Stichtag 15.05.2022): Durchschnittsalter der Bevölkerung je Gemeinde, dl-de/by-2-0.
Warum ist Ostdeutschland so viel älter?
Die demografische Kluft zwischen Ost und West hat tiefe historische Wurzeln. Nach der Wiedervereinigung 1990 wanderten in den ersten Jahren mehr als eine Million Menschen aus Ostdeutschland ab — überwiegend junge, gut ausgebildete Personen auf der Suche nach Arbeit und Perspektiven im Westen. Dieser Aderlass setzte sich in abgeschwächter Form bis heute fort.
Gleichzeitig brach die Geburtenrate in Ostdeutschland in den 1990er Jahren drastisch ein — zeitweise auf unter 0,8 Kinder je Frau, den niedrigsten Wert der Welt. Während sich die Rate inzwischen erholt hat, fehlt die „verlorene Generation" dieser Jahre heute vollständig in der Bevölkerungsstruktur.
Ein dritter Faktor ist die Zuwanderung: Westdeutsche Großstädte, insbesondere Hamburg, Frankfurt, München und Berlin, haben erheblich von internationaler Migration profitiert — die Zuwanderer sind im Schnitt jung. Ostdeutsche ländliche Kreise haben kaum Zuwanderung erhalten und konnten die demografischen Verluste nicht ausgleichen.
Das Durchschnittsalter ist ein starker Prädiktor für künftige Immobiliennachfrage — junge Bevölkerung bedeutet Wachstum, überalterte Regionen stehen vor strukturellen Herausforderungen.
Bedeutung für den Immobilienmarkt
Die demografische Struktur einer Region beeinflusst den Immobilienmarkt direkt und nachhaltig:
Junge Kreise: Hohe Nachfrage nach Mietwohnungen — Studierende und Berufseinsteiger mieten in der Regel zunächst, bevor sie kaufen. Das treibt Mietpreise, hält Leerstand niedrig und macht diese Märkte für Investoren attraktiv. Langfristig entsteht auch Eigentumsdemand, wenn dieselben Jahrgänge in die Familienphase kommen.
Alte Kreise: In überalterten Regionen nimmt das Angebot durch Erbschaften zu — Kinder, die in anderen Städten leben, erben Häuser in der Heimat und verkaufen sie. Gleichzeitig ziehen ältere Menschen in Pflegeheime oder betreutes Wohnen und geben ihre Immobilien frei. Das drückt die Preise. Zugleich sinkt die Nachfrage, da wenig Zuzug die Abgänge ausgleicht.
Für Investoren bedeutet das: Kreise mit junger, wachsender Bevölkerung bieten stabilen Cashflow und Wertsteigerungspotenzial. Kreise mit überalterter, schrumpfender Bevölkerung können als Kaufgelegenheit interessant sein — bei niedrigem Einstiegspreis, aber mit erhöhtem Strukturrisiko.
Häufige Fragen
Wie alt ist die Bevölkerung in Deutschland im Durchschnitt?
Das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Deutschland beträgt laut Zensus 2022 (Stichtag 15.05.2022) 44,3 Jahre. Unter den kreisfreien Städten reicht die Spanne von 39,3 Jahren (Heidelberg) bis 50,9 Jahren (Suhl).
Welche kreisfreien Städte haben die jüngste Bevölkerung?
Unter den kreisfreien Städten hat Heidelberg mit 39,3 Jahren die jüngste Bevölkerung, gefolgt von Freiburg im Breisgau (40,3 Jahre) und Darmstadt (40,5 Jahre) (Zensus 2022, Stichtag 15.05.2022). Für Landkreise liegt in der verwendeten amtlichen Tabelle kein Kreiswert vor.
Warum ist die Bevölkerung in Ostdeutschland im Schnitt älter?
Die höhere Alterung in ostdeutschen Bundesländern ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Nach der Wiedervereinigung 1990 wanderten vor allem junge Menschen in wirtschaftlich stärkere westdeutsche Regionen ab. Gleichzeitig brach die Geburtenrate in den 1990er Jahren dramatisch ein. Da kaum Zuwanderung aus dem Ausland die demografische Lücke füllte, ist die verbleibende Bevölkerung heute deutlich älter als im Bundesdurchschnitt – mit weitreichenden Folgen für Infrastruktur, Arbeitsmarkt und Immobilienmarkt.